Ein Besuch auf dem Münchener Oktoberfest mal anders...

Der nachfolgende Bericht schildert eindrucksvoll die Erinnerungen eines Musikanten, der beim Anblick der Krinoline auf der Wiesn an seine Kindheit erinnert wird und dem in diesem Jahr durch Zufall ein Wunsch erfüllt wurde. Aber lesen Sie selbst.

 

Vielleicht gehts Euch genauso wir mir. Als kleiner Bua durfte ich mit meinen Eltern die Wiesn in München besuchen und schon damals, so wurde mir später erzählt, lauschte ich fasziniert den Klängen der Krinoline-Blasmusik. Obwohl damals noch nicht abzusehen war, dass ich wenige Jahre später dem Blasmusikvirus verfallen würde. Auch bei meinen wenigen Wiesnbesuchen in den folgenden Jahrzehnten, sei es als jugendlicher Berufsschüler oder als langjähriger Musikvorstand, zog mich das traditionsreiche Fahrgeschäft wie ein Magnet an. Nicht um selbst mit zu fahren, nein bei allen Karussels, die schneller als 5 km/h fahren rebelliert mein Magen…, sondern einfach für ein paar Minuten in eine zeitlos anmutende Welt einzutauchen.

Dem Internet sei Dank und bedingt durch die Tatsache, dass nach unseren Jubiläumsfeierlichkeiten wieder mehr Zeit blieb für spontane Aktionen bleibt, beschloss ich einfach mal bei Familie Niederländer nachzufragen, ob man dort überhaupt als Laienkapelle aufspielen darf. Nach einer netten Antwort von Herrn Niederländer, dem Eigentümer der Krinoline, wurde vereinbart im neuen Jahr das Ganze zu fixieren.

Ja und dann kam es doch noch ganz anders. Da kurzfristig eine Formation ausfiel, wurde uns die Möglichkeit angeboten schon am 03. Oktober für vier Stunden in der kleinen Welt der Krinolinenblasmusik vertretungsweise Platz zu nehmen. Uns, das bedeutet namentlich:  Josef Schmid, Sepp Berndaner, Hardi Auer, Hannes Hornsteiner, Martin Felber und meine Wenigkeit.

Schon die Anreise mit der Werdenfelsbahn war ein Erlebnis. Eine übernächtigte Schaffnerin begrüßte uns mit den Worten „Ich kann solche wie Euch nicht mehr sehen…“ und selbst die Bestechungsversuche mit Sepps legendären Pfefferbeissern konnten die Dame nicht umstimmen. Ich betone wir waren nicht schuld….

Nach der Ankunft bei strömenden Regen und einem Taxifahrer, der trotz wiederholten Erklärungsversuchen noch nie was von der Krinoline gehört hatte, erreichten wir schließlich das betagte Fahrgeschäft aus dem Jahre 1924.

Eng war es schon, bedingt dadurch, dass die Original Besetzung nur fünf Köpfe zählt. Trotzdem gelang es uns nach einigen Versuchen Platz zu nehmen und eigentlich hatte die Enge den Vorteil, dass es temperaturtechnisch doch einigermaßen auszuhalten war.

Als Einsteiger im Schaustellergewerbe wurde uns zuerst noch erklärt wie lange das dargebotene Musikstück zu dauern habe. Als Faustregel galt zu spielen solange bis der Bremsmechanismus sichtbar wird…Alles gut und recht, allerdings hatten wir nicht bedacht, dass der Mann an der Bremse, bedingt durch zu viel Ratschen, auch einmal das Bremsen vergessen könnte….was zur Folge hatte, dass das aufliegende Stück über zweimal gespielt werden durfte.

Die Zeit verging wie im Flug und waren anfangs die Plätze im Karussel noch spärlich besetzt, konnten wir guten Gewissens um 14.00 Uhr aufhören, da wir es geschafft hatten die Krinoline vollzuspielen.

Ach ja und zu guter Letzt durfte ich meine Krinoline-Premiere als Mitfahrer feiern. Rückwärts und gefühlte fünf Minuten lang. Trotzdem, schön war es und während der Fahrt hatte ich genug Zeit mich an den ersten Blickkontakt mit der Krinoline vor fast 45 Jahren zurückzuerinnern.

Einfach schön, dass es doch noch mehr beständige Dinge gibt als meistens angenommen.

 

Michi Böhmer

 

Der Dank der Redaktion geht an dieser Stelle an Michi Böhmer, Erster Vorstand der Musikkapelle Farchant e.V., für die Überlassung von Text und Fotos.


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